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Ve Vo

Vollbeschäftigung der Frau

1989 waren in der DDR 91 Prozent der Frauen in Erwerbsarbeit oder Ausbildung. Das  leitenden Personal in Wirtschaft und Staat sowie in technischen Berufen aller Bildungsebenen waren zu einem Drittel Frauen. Mehr als ein Viertel der Frauen arbeitete in Teilzeit.
Frauen waren zumeist durch Hausarbeit und Kindererziehung, die so genannte “zweite Schicht” doppelt belastet. Auf dem Land kam häufig noch dazu, dass viele Familien eine eigene Landwirtschaft [Siehe: Individuelle Hauswirtschaft] betrieben und nach der Arbeit noch Vieh versorgt und Obst und Gemüseanbau bewältigt werden mussten.

»Erstmal war es auch eine Bestätigung, dass man gebraucht wird. Und ich bin ja eigentlich so aufgewachsen: Meine Mutti hat immer gearbeitet, mein Papa auch – da war Oma zu Hause.
Das war für uns irgendwie etwas Selbstverständliches, arbeiten zu gehen. Also, hier aus dem Dorf kenne ich keinen, wo die Frau gesagt hat, sie ist Hausfrau.« Gabi Wels

»Vollbeschäftigung der Frau – das war die Vision, die wir damals hatten. In der Gärtnerei gab es im Sommer Pflanzenproduktion, Blumenproduktion, Gemüseproduktion, Freilandgemüse – Kohl, Möhren und so weiter.
Aber wohin denn im Winter? Was machen wir mit den Frauen im Winter? Also mussten wir noch ein Objekt schaffen. Und das war dann diese Gemüsehalle – dort, wo heute der Hofladen ist. Da konnten wir im Winter zum Beispiel Rohrmatten flechten.
Dann wurden also im Winter in Manufaktur Rohrmatten geflochten – durch die Frauen.«
Herbert Zimmermann

Ich wollte nie einen Bauern heiraten. Meine Eltern waren ganz lange  LPG Typ 1 gewesen. Also mussten wir zu Hause viel helfen und ich hätte meinen Mann in erster Zeit erschlagen können, als er sagte, wir müssen Runkeln machen. Das war mir von zu Hause alles sowas von über. Und nun hatte ich das wieder am Hals.« Gabi Wels

»Frau Blümel [LPG-Vorsitzende] und ich – wir haben beide im Oktober ’71 geheiratet. Und wir waren beide gleichzeitig schwanger – das hat ja damals keiner gewusst. Tim und Jens sind vier Tage auseinander.
Na ja, und dann sagte sie, sie meldet die Krippe an. Dann war Jens schon ein Jahr, dann war er schon zwei Jahre – und erst, als er zweieinhalb war, war die Krippe fertig. Dann ist er noch ein halbes Jahr in die Krippe gegangen.
Mein Mann war damals Produktionsleiter [in der LPG]. Und wenn irgendwo Not am Mann war – auf dem Silo, beim Mähdrescherfahren oder sonst irgendwo – habe ich eine Vertretung übernommen. Dann habe ich das Kind schnell rüber zu Frau Hoffmann gebracht und bin ein paar Stunden arbeiten gegangen.
Und dann wollte Jens, als er im April drei war, in den Kindergarten. Da hat die Frau Bürgermeister gesagt: „Annelore, wenn du nicht arbeitest, kann der nicht in den Kindergarten gehen.“ Und da haben wir gesagt: „Naja, das können wir ja wohl abschaffen.“ Und dann habe ich mich bei der NVA beworben.
Frau Blümel wollte ja so gern, dass ich hier wieder in der LPG arbeite, und sagte: „Wir machen auch vernünftige Arbeitszeiten.“ In der LPG hatten wir Arbeitszeiten von morgens um fünf bis um neun, zehn. Dann sind wir nach Hause gegangen, haben unsere Öfen geheizt, Wäsche gewaschen, ich habe Jens ins Bett gelegt und dann bin ich wieder in den Stall – bis um fünf oder so lange, wie es eben dauerte. Du konntest nicht sagen: „Jetzt ist es fertig.“ Und da habe ich gesagt: „Mit zwei Kindern, das mache ich nicht mehr. Ich möchte eine vernünftige Arbeitszeit haben.« Annelore Schönstedt

»Da musste der Betrieb dafür Sorge tragen, dass sie arbeiten gehen konnten.
In Borken hatten wir einen Kindergarten und eine Kinderkrippe. Und wenn mal Ausfall war, dann war das ganz normal: Dann hat die Materialbuchhalterin aus der Buchhaltung eben im Kindergarten ausgeholfen – manchmal eine ganze Woche. Sonst ging es doch nicht. Sonst hätten wir doch sagen müssen, die Eltern müssen ihre Kinder zu Hause behalten.« Siegfried Göbel

»Mein Kind habe ich morgens beim Heizer [im Kindergarten] abgegeben und abends bei der Reinemachefrau wieder abgeholt. So war das bei mir.« Annelore Schönstedt

»Wir hatten das große Glück, dass mein Schwiegervater hier [in Rothenklempenow] gearbeitet hat. Er war hier im Stall. Später, als er Rentner war, konnte er dann den Kleinen hinfahren und wieder abholen. Eingekauft hat unser Opa auch. Er hat immer nur das Gleiche gekauft – na ja, dann haben wir eben auch immer das Gleiche gegessen. Hauptsache, es war etwas auf dem Tisch.« Heidi Hamann

»Unsere Mutter hat immer gesagt: ›Wenn es bei uns mal einen Regentag gab, dann hatten wir frei, ihr müsst immer arbeiten gehen.‹ Das hat ihr immer so leid getan.« Annelore Schönstedt

»Die Eltern meiner Schwiegermutter hatten in den 30er Jahren diese Bauernwirtschaft übernommen. Sie hat immer zu Hause auf dem Hof gearbeitet, bis ihr jemand gesagt hat: ›Du müsstest doch auch mal etwas für deine Rente tun. Du kannst doch nicht immer nur für deine Eltern arbeiten.‹ Dann hat sie in der LPG angefangen.«
Gabi Wels

Berufe der Rothenklempenowerinnen [Auswahl]

INDUSTRIEKAUFMANN
BUCHHALTER LANDWIRTSCHAFT
BUCHHALTER DER SOZIALISTISCHEN LANDWIRTSCHAFT
VERKEHRSKAUFMANN
HAUPTBUCHHALTER
ÖKONOM/ DIPLOMFINANZÖKONOM
KRANKENSCHWESTER/GEMEINDESCHWESTER
KÖCHIN
LEHRER
KONSUM VERKÄUFERIN
RINDERZÜCHTER
LPG-VORSITZENDE
FACHARBEITER FÜR TEXTILTECHNIK
KRIPPENERZIEHER
KINDERGARTENERZIEHERIN
HANDELSKAUFMANN
TRANSPORT-, UMSCHLAGS- UND LAGERFACHARBEITER