Der Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion (UTP), ab 1970 das Unterrichtsfach Produktive Arbeit (PA), war Bestandteil des polytechnischen Unterrichts. Nach ihm ist auch die POS, die Polytechnische Oberschule, benannt.
Der polytechnische Unterricht geht auf reformpädagogische Ansätze des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland, der Sowjetunion und den USA zurück und kann als eine Form des Learning by Doing oder „lebensnahen Lernens“ beschrieben werden.
Der UTP ergänzte die Fächer Einführung in die sozialistische Produktion (ESP) und Technisches Zeichnen (TZ) im Rahmen der polytechnischen Ausbildung um eine praktische Komponente. Zugleich sollte er den beteiligten Betrieben auch zur Nachwuchsgewinnung dienen. Die Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse erhielten hier unter produktionsnahen Bedingungen Arbeitsaufgaben in Betrieben des Bauwesens, der Landwirtschaft oder der Industrie.
»Also, als Schüler von Mewegen mussten wir mal nach Blankensee in den Schweinestall fahren, später war das dann nicht mehr so. Wir haben auch Schrauben von Rädern abgeschraubt und so was. Das haben wir im Unterricht in der Produktion gemacht. Ich möchte sagen, das war ab der 8. Klasse – einmal die Woche war immer UTP, und die andere Woche war ESP, Einführung in die sozialistische Produktion.« Gabi Wels
»Zum ESP sind die Betriebe in die Schule gegangen und haben dann erklärt: was ist ein Kollektiv der sozialistischen Arbeit, wie sieht ein Plan eines Kollektivs aus und so weiter.« Siegfried Göbel
»UTP, das war ja eigentlich immer ganz lustig. Wir waren dann auch mal hier in der Schlosserei, und dann haben die Jungs entdeckt: ›Da ist ja Karbid, davon müssen wir mal ein bisschen mitnehmen – und da ist ja ein Misthaufen!‹
Dann haben sie eine Lunte gelegt, angezündet – und dann flog uns der Mist um die Ohren.
Also, die zwei Stunden UTP, oder wie lange das war, waren noch nicht zu Ende, und dann sind wir natürlich nach Hause. Keiner hat was gesagt – ich brauchte ja nur Schmiere stehen und aufpassen.
Und da komme ich zu Hause an – ach, wer sitzt denn da? Da saß schon der ABV in der Küche.
So, und dann mussten wir am nächsten Tag oder sogar noch am gleichen Abend hin und alles wieder zusammensammeln.« Heike Fischer
»Wir hatten als Pflanzenproduktion ein gutes Verhältnis zur Schule. Wir sind regelmäßig dort aufgetreten, haben Vorträge gehalten und auch mal eine Klassenreise zum Tag des Genossenschaftsbauern gemacht. Ich persönlich war oft in den Schulstunden und habe den Betrieb vorgestellt.
Wir waren zum Tag des Lehrers da, und wenn wir Hilfe brauchten – zum Beispiel beim Steinesammeln – war die Schule da. Wenn die Schule uns brauchte, etwa für den Transport, wenn ein Bus ausgefallen ist, sind unsere Fahrzeuge hingefahren und haben den Schülertransport übernommen. Das war ein Geben und Nehmen.
An der Messe „Meister von morgen“ in der Schule haben wir uns mit unseren Leuten beteiligt. Also, die Zusammenarbeit mit der zehnklassigen Oberschule in Mewegen war aus unserer Sicht sehr gut. Deswegen hatten wir auch keine Probleme mit der Nachwuchsgewinnung. Mechanisatoren, Schlosserlehrlinge oder auch Buchhalterkräfte – die kriegten wir praktisch aus Mewegen als junge Menschen, die wir dann ausgebildet oder angelernt haben. Viele von ihnen sind hier im Dorf geblieben.
Wir haben sogar gemeinsam ein polytechnisches Zentrum gebaut. Die Räumlichkeiten stehen heute noch im Rohbau, weil der Sozialismus dann zu Ende war. Da ist kein Fenster drin, keine Tür, aber der Bau steht.
Das sollten Räume sein, wo die Schüler sich betätigen konnten – Unterricht in der sozialistischen Produktion, UTP. Eine kleine Werkstatt, vielleicht auch für kleine Reparaturen.
Bei uns war es ja früher genauso in der Schule. Wir hatten unseren Schulgarten – da sind wir damit vertraut gemacht worden: ein bisschen säen, ein bisschen pflanzen, ernten und so weiter. Und später waren wir dann in der Genossenschaft und haben da geholfen – bei der Heuernte oder bei den Kartoffeln.
Also immer wieder heranführen – schon als Kinder mal in die Betriebe reinschnuppern, sozusagen. Das war eigentlich gar nicht so schlecht. Das war alles ganz dicht dran.«
Herbert Zimmermann, Technischer Leiter LPG Pflanzenproduktion Rothenklempenow
»Ich war verantwortlich für die außerunterrichtliche Tätigkeit. Es war eine gute Zusammenarbeit, auch mit der LPG oder später mit der KAP.
Wenn wir ein Auto gebraucht haben, um Kinder zu transportieren, war das kein Problem. Zum Beispiel musste die Messe der Meister von morgen jedes Jahr organisiert werden, und dazu wurden natürlich auch Arbeitsgemeinschaften gebildet.
Wir hatten die Feuerwehr unter der Leitung von Herrn Zuber, wir hatten den ABV – junge Verkehrshelfer –, wir hatten in Blankensee in der Werkstatt junge Konstrukteure. Die haben jedes Jahr für die Jungs, die technisches Interesse gezeigt haben, immer irgendwas auf die Beine gestellt.
Dann hatten wir einen Chor – der ist eigentlich sehr gut angekommen – und ein Bläserquartett.«
Karin Zimmermann
