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  • Staatsbürgerkunde

    »Staatsbürgerkunde, Marxismus-Leninismus – das war sogar zu Studienzeiten noch ein Fach. Darin konntest du dich auch prüfen lassen. Aber ja, mein Gott, das hat man so mitgenommen. Das haben alle über sich ergehen lassen. Eine Stunde die Woche war das. Aber wer da keine zwei oder drei hatte, der hatte selber Schuld. Also, wir haben ja längst nicht alles gelesen, was wir sollten – überhaupt gar nicht.«
    Karin Zimmermann

    Lehrplan Staatsbürgerkunde 1983. Quelle: achive.org
  • Stückgut

    »Als wir drei Jahre verheiratet waren, 1976, haben wir über Jugendtourist eine Russenreise nach Sotschi gemacht und sind mit dem Zug bis Berlin gefahren. Über Nacht haben wir bei meinem Cousin geschlafen, und der hat uns am nächsten Morgen zum Flieger gebracht. Aber am Abend haben wir uns noch ein bisschen umgeguckt, und dann sind wir noch in so ein Geschäft gegangen und sehen da ein Dreirad. Unser Sohn war fast drei Jahre alt, und sowas gab es ja bei uns nicht. Da haben wir das Dreirad gekauft, aber das konnten wir ja nicht mitnehmen. Also hat mein Cousin das über Stückgut nach Rothenklempenow geschickt – kam auch an, also das war kein Problem.«
    Heidi Hamann

    »Der Zug hatte vorne die Lok, und dann kam der sogenannte Packwagen. In dem Packwagen wurde Stückgut befördert. Das wurde von einem Mann mit Mütze und Uniform mit der Karre an den Zug gebracht, eingeladen, und unser Stück fuhr dann zum Beispiel von Wittenberg bis nach Pasewalk. Dort wurde es wieder ausgeladen, und am nächsten oder übernächsten Tag kam dann ein LKW oder manchmal auch ein Traktor und brachte es in die Wohnung.«
    Siegfried Göbel

  • Studium

    »Eines Tages war der Klassenlehrer bei uns zu Hause, Herr Fackelmann – ein toller Lehrer.
    ›Frau Stenzel, Ihre Tochter hat gute Leistungen. Wir schicken sie zur EOS.‹
    Da war mein Vater natürlich stolz wie ein Spanier – er konnte als Arbeiter nur acht Klassen machen. Meine Mutti ja auch.
    Also, das war das Größte, was seiner Familie widerfahren konnte.
    ›Opa, stell dir mal vor, ich soll zur EOS.‹
    Mein Opa stand am Waschbecken und rasierte sich:
    ›Mecken lernen müsste so lang als du jung bist. Nachher begriffst du das nicht mehr so.‹ [Mädchen, lernen musst du, solang du jung bist, nachher begreifst du das nicht mehr so gut.]
    Dann war das zu der Zeit so, Anfang der 70er: Die Mädchen wurden Lehrer und die Jungen Offiziere, nur ganz wenige wurden Ärzte, Architekten oder irgendwas anderes.«
    Karin Zimmermann

    »Ich bin 1977 zur Armee gegangen. Ich war am Gymnasium, also an der EOS und habe Abitur gemacht. Die Bedingung für einen Studienplatz war bei den jungen Männern, dass man drei Jahre Armee machte – sonst hätte ich keinen Studienplatz gekriegt. Der Grundwehrdienst war ein Jahr, aber man musste sich für drei Jahre verpflichten. Da hat man dann auch ein bisschen mehr Stipendium gekriegt.«
    Uwe Fackelmann