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  • Schällinie

    Speisekartoffelaufbereitungsanlage mit Schällinie

    »Der Kreis Pasewalk war durch die Bezirksproduktionsleitung zur Speisekartoffelproduktion für Berlin bestimmt worden. Wie viele Speisekartoffeln in Löcknitz nach Berlin verladen wurden! Ich weiß, was das heißt, einen Zentnersack Kartoffeln in einen gedeckten Güterwaggon zu laden – vom Hänger rein, bis unter die Decke.
    Da wurde gesagt: Wir bauen etwas ganz Wichtiges – wir bauen eine Speisekartoffellagerhalle mit Schälbetrieb. Die wurde dann in Löcknitz errichtet und hatte ein Fassungsvermögen von 16.000 Tonnen.
    Die Speisekartoffeln in der Schällinie wurden mit einem hohen Frauenanteil geschält – die arbeiteten dort in der sogenannten Putzerei. Die Kartoffeln kamen in eine sehr verdünnte Sulfitlauge, die das Braunwerden verhindern sollte. Aber es bildete sich außen so eine Pelle, und alle, die dann diese Kartoffeln auf dem Teller hatten, haben immer gespuckt.
    Aber es gab keine klare Entscheidung, sodass man es irgendwie hätte anders machen können – es gab keinen Weg.« Siegfried Göbel

  • Schiedskommission

    »Die Schiedskommission war ein Gremium in den Betrieben. In volkseigenen Betrieben war es Pflicht, alle Streitigkeiten schon auf niedriger Ebene zu richten und da gab es als Strafe eben diese Gemeindearbeit oder die mussten dann mal Rentnern die Kohlen in den Keller tragen, gemeinnützige Arbeit, umsonst.« Siegfried Göbel

    »Die Schiedskommission im Dorf war dafür da, diese ganz kleinen Streitigkeiten oder kleine Vorkommnisse zu klären. Da waren dann mehrere Bürger aus dem Dorf, ich weiß nicht 5 oder 6 Leute und die haben beraten, was jetzt mit dem gemacht wird.« Gabi Riesebeck

     

  • Schlossküche

    Hörgeschichte: Hermine Zuber, Köchin im Schloss, erzählt:

    »Wir haben für Kindergarten, Krippe, Schule gekocht – Ferienspiele, Armee, das hatten wir alles. In der DDR-Zeit wurde ja auch viel für Kindergarten und Schule gemacht. Es wurde immer schön alles bedacht, dass sie auch alles hatten, auch mit der Schulspeisung. Es wurde selbst gekocht – wir haben immer alleine gekocht. Wir hatten hier nichts von Großküchen. Die Lebensmittel haben wir im Konsum gekauft und bei der OGS-Fleischerei. Hier im Konsum war ich Stammkunde. Das konnten wir alles während der Arbeitszeit machen, das waren ja bloß ein paar Schritte.
    Und was wir nicht hatten, haben uns viele Leute aus den Gärten gebracht – Gemüse, Obst, Stachelbeeren im Sommer. Wir hatten hier einen wunderschönen Park, da gab es Äpfel, Pflaumen, Johannisbeeren. Wir haben sehr viel eingeweckt, 200 Gläser – angefangen bei Gurken über Gemüse, grüne Bohnen und viel Obst. Das hat uns geholfen. Und wir haben immer gutes Essen gehabt. Wenn wir Hefeklöße gemacht haben, Pflaumenklöße, wenn die Zeit war – 120, 130 Stück, und die waren alle! Da gab es Kinder, die haben acht, zehn solche Hefeklöße gegessen.
    Fleisch hatten wir nicht so viel – brauchte aber auch nicht sein. Wir hatten Gemüse, Kartoffeln – wir haben alles gekocht, was sie gerne gegessen haben: Nudeln mit Tomatensoße, was ja heute noch aktuell ist. Die Kindergärtnerinnen haben uns auch beim Apfelschälen geholfen, wenn die Zeit war, damit wir einwecken konnten. Ja, das war schon eine Hilfe.
    Wir waren zwei Mann, wir mussten alles rantragen – Holz, Kohle. Unten im Schloss war ein Keller, da hatten wir Kartoffeln und Gemüse. Am Anfang habe ich sechs Stunden gearbeitet, und als später alles vergrößert wurde, hatte ich einen vollen Arbeitstag. Wir hatten durchweg zu tun. Nachmittags mussten wir uns alles holen – Kohlen, Kartoffeln –, damit wir für den nächsten Tag alles hatten. Das war manchmal ganz schön hart. Wasser von der Pumpe – jeden Tag. Wir hatten Eimer stehen mit Wasser. Die Wasserleitung wurde erst viel später eingebaut.
    Es gab immer frische Eier, privat – die sind zu uns gekommen, ich habe sie abgenommen und bezahlt. Wir haben gebacken – zu Weihnachten Kekse und Stollen; es gab ja auch ein kleines Weihnachtsfest. Wir haben alles alleine gemacht, und das hat funktioniert. Und die Leute waren uns auch dankbar.
    Wenn die Studenten kamen, die hatten ja auch immer Extrawünsche – das haben wir auch gemacht, obwohl wir gar nicht die Zeit dazu hatten. Hier war ein Kartoffelbetrieb, da haben die in der Schällinie gearbeitet oder sie haben in der Landwirtschaft geholfen, im Herbst, wenn die Kartoffelernte war. Die

    mussten dann richtig in Schicht arbeiten. Wir mussten abends lange bleiben, und die ersten sind morgens schon raus. Wir sind auch um sechs schon zur Arbeit gekommen – und es hat immer funktioniert.
    Ich hatte eine tolle Kollegin – die ist immer mitgekommen, obwohl sie das gar nicht hätte machen müssen, so früh. Und wir hatten auch eine gute Gemeinde und einen guten Bürgermeister. Wenn ich mal mein Limit überzogen hatte, hat er gesagt: ›Mach du mal.‹

    Einmal haben wir sogar für die Puhdys gekocht! Ja, und die haben uns gefragt, wo wir das schöne Fleisch herhaben. Das war Kamm. ›So ein tolles Fleisch‹, haben sie gesagt. Da hab ich gesagt: ›Sie haben doch bestimmt schon was Besseres gegessen.‹ – Da hat er gesagt: ›Wenn wir nachts um drei nach Hause kommen, in Hotels, dann steht die Bockwurst im kalten Wasser.‹
    Während der DDR-Zeit haben wir immer mitgeholfen. Das war schon dadurch bedingt, dass wir in der Gemeinde gearbeitet haben, aber alle anderen haben auch mitgeholfen – der Konsum, alle.« Hermine Zuber

     

    »Da bin ich ausgezeichnet worden. Mein Mann ist von der Feuerwehr ausgezeichnet worden, und ich bin von der Gemeinde ausgezeichnet worden – für gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde.« Hermine Zuber

     

  • Schwarzbau

    »Eigentlich sollten alle Bauten durch den Kreis abgesegnet werden. Es gab eine staatliche Baukommission, und da musstest du das Projekt hinbringen, das wurde geprüft, und die Kommission musste ihren Stempel draufsetzen. Manche Dinge, die – ich sag mal – dort nicht zum Absegnen landeten, haben wir einfach so hochgezogen. Das war dann ein Schwarzbau, ohne Genehmigung der übergeordneten Organe.« Herbert Zimmermann