Wiki

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Ma Me Mu
  • MAS/MTS

    Traktorenbestand der MTS

    »Die MTS [Maschinen-Traktoren-Station] ist die Nachfolgeeinrichtung der MAS [Maschinenausleihstation]. In den 50er Jahren hießen die noch Ortskomitee der gegenseitigen Bauernhilfe.
    Bis dahin kam die Technik, die in die Landwirtschaft geliefert wurde – Traktoren wie Pionier oder Brockenhexe – in die MAS. Die MAS war die staatliche Maschinenausleihstation, und an der Spitze stand ein Direktor.
    Dann merkte man 1952: Wir müssen die politische Führung haben. Und dann hat man in der MTS einen sogenannten Sekretär eingesetzt, der von der SED war und direkt dem ersten Sekretär der Kreisleitung unterstellt war. Der hatte dann seine Genossen um sich und musste in den 60er Jahren über die Traktoristen auf die Genossenschaftsbauern einwirken.
    Und ich sag mal so, weil ich es selbst miterlebt habe – das wissen die meisten nicht: Der Parteisekretär der SED im MTS-Bereich war bewaffnet.
    Über die MTS hat die Partei Einfluss in den Gemeinden bekommen. Es gab dann in jedem MTS-Bereich drei, vier Leute, über die man keine näheren Auskünfte bekam.
    Nur ein guter Freund, der Oberagronom, hat zu mir gesagt: ›Lass dich nicht mit dem ein und lass dich nicht mit dem ein.‹« Siegfried Göbel

    Rothenklempenow gehörte dem MTS-Bereich Grambow an.

    »Dann hat mein Vater in Grambow als Brigadier angefangen, das hieß damals MAS, Maschinenausleihstation. Das hat ihm aber nicht gefallen als Brigadier, weil er schon gesehen hat, der Sozialismus geht sowieso bergab, das hat er mir gesagt, damals schon.« Heike Fischer

    Siehe auch:

    Bodenreform
    Kollektivierung
    Sozialistischer Frühling
    Werktätige Bauern
    Landwirtschaftspolitik (Grafik)

  • Messe der Meister von Morgen

    »Für die Messe der Meister von morgen haben sich entweder einzelne Schüler, Schülergruppen oder ganze Klassen ein Projekt gesucht, an dem sie dann meistens außerunterrichtlich gearbeitet haben – manchmal mit Hilfe der Betriebe hier oder auch mit Hilfe der Eltern.
    Und dann gab es eine richtige Schulmesse. Unser Werklehrer hat uns sehr gut unterstützt – er hat Bilderrahmen, Aufsteller und Beschriftungen gemacht.
    Wir waren da immer ganz gut im Kreis; meistens unter den ersten drei, unter den ersten fünf waren wir immer. Das wurde vom Kreis bewertet, und wenn wir unter den ersten waren, mussten wir im Kreis noch mal ein paar Projekte ausstellen.
    Also, die Meister von morgen – das waren halt unsere Schüler.« Karin Zimmermann

  • MUNA

    Heeresmunitionsanstalt bei Löcknitz

    »Ich wollte ja, nachdem mein zweiter Sohn geboren wurde, nicht mehr in die LPG zurück.
    Dann kam jemand von der Partei und sagte, ich soll in die Partei eintreten, dann besorgt er mir Arbeit. Er hatte das Formular schon dabei.
    Und dann habe ich mich ’79 bei der Muna beworben.
    Die Muna war, als ich dort war, ein Materiallager für Fahrzeuge – aber keine Kampffahrzeuge. LKWs und Motorräder bis hin zum Trabbi hatten wir alles, und auch die ganzen Ersatzteile – eben alles, was in der Armee gebraucht wurde.
    Es war ja dann so: Wir durften ja nichts sagen. Der Satz ist mir so im Gedächtnis geblieben: ›Das sind ganz kleine Puzzlesteine, und diese Puzzlesteinen setzt sich die BRD – das war ja der Feind – zusammen, und dann wissen die alles.‹
    Diese Angst, das kann man sich gar nicht vorstellen.
    Hans Görs, der ABV musste mir ausstellen, dass ich ein normaler Bürger bin, keine Verbindungen zur BRD habe und keinen Westbesuch bekomme.« Annelore Schönstedt

    »1934 wurde hier im Wald die Muna gebaut. Das war eine Anlage, in der Artilleriemunition scharf gemacht wurde – das heißt, sie wurde hier mit Pulver und Sprengstoff gefüllt.
    Dafür wurde 1940 durch belgische Kriegsgefangene die Straße von Löcknitz bis an den Rand von Rothenklempenow gebaut.
    Dann wurde zusätzlich noch die Muna 2 eingerichtet – das war eine Anlage, in der Artilleriemunition mit Giftgasen gefüllt werden sollte.
    Und Gott sei Dank ist Hitler nicht auf die Idee gekommen, mit diesen Waffen noch zu schießen. Aber als Ende April die sowjetische Armee hierherkam, wurden alle gesprengt.
    Was davon in den Untergrund gegangen ist … also, ich weiß nur, dass es allein im Bundestag über diese Angelegenheit „Muna“ 270 Dokumente mit ungefähr 1000 Seiten gibt. Wir haben also eine der größten Kriegshinterlassenschaften hier, weil Sarin ein Giftgas ist, das im Grundwasser weiterwirkt.
    Und weil das Gebiet ja ein Sperrgebiet war und in der DDR nichts weiter unternommen wurde, hat man dort Baracken aufgestellt und dann ein Versorgungslager für die NVA installiert.« Siegfried Göbel