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  • FDGB – Freier Deutscher Gewerkschaftsbund

    FDGB-Mitgliedsbuch

    »Ich war im FDGB, da bekam man auch mal eine Reise. In Redewisch hatten wir ein Zimmer im Wald. Und weil wir über den FDGB gefahren sind, hatten wir feste Essenszeiten: 20 Minuten fürs Essen. Aber in 20 Minuten hatten wir oft noch nicht mal einen Platz. Und wenn wir dann endlich einen Platz hatten, gab’s kein Besteck. Und wenn wir dann endlich das Besteck hatten, war das Buffet leer. Die haben da 1000 Gäste zackig abgefertigt. Wir sind so kaputt nach Hause gekommen, dass wir gesagt haben: Jetzt brauchen wir Urlaub.« Karin Fischer

  • FDJ- und Pioniernachmittage

    Da die überwiegende Zahl der Schüler in den 1970er Jahren schließlich Pionier bzw. FDJ-ler war, wurde nach dem Betreten des Lehrers der Unterrichtsbeginn neu geregelt. Zum Beginn des Unterrichts erhob sich die Klasse und es wurde nach der Meldung der Gruß der Pionierorganisation (Lehrer: „Für Frieden und Sozialismus, seid bereit!“ Klasse: „Immer bereit!“) oder der FDJ (Lehrer: „Freundschaft!“ Klasse: „Freundschaft!“) verwendet. Anschließend setzte sich die Klasse wieder. – Wikipedia

    »Es gab ja dann Pionier- und FDJ-Nachmittage. Der FDJ-Nachmittag war einmal im Monat, glaube ich.
    Dann gab es Arbeitsgemeinschaften an der Schule, und oft war es so, dass die Kinder gerne wollten, aber nicht durften. Es gab eben auch welche, die trotz DDR gläubig geblieben sind, und da hatten wir dann doch ein paar dabei, die nicht an den Pioniernachmittagen teilnehmen durften.
    Manchmal waren sie ein bisschen traurig, dass sie kein Pioniertuch umhatten wie die anderen, aber da mussten sie irgendwie durch.
    Ich habe einmal versucht, mit einem Vater, einem Pastor, zu sprechen, ob seine Tochter denn nicht teilnehmen dürfte. Sie musste ja kein Pionier werden, aber es ist doch der Klassenverband und so weiter. Aber nein, sie durfte nicht kommen.« Karin Zimmermann

  • Ferienlager

    »Im Schloss war immer schon der Kindergarten, später dann auch die Bibliothek.
    Dann haben wir im Schloss von den acht Wochen Sommerferien sechs Wochen Ferienlager für die Kinder gemacht – und manche waren wirklich die ganzen sechs Wochen da. Schwimmlager, immer 14 Tage. Ich glaube, die Eltern haben acht Mark für die Woche bezahlt, das andere wurde alles gestützt.
    Wir hatten eine Schulküche, die haben für 100 Leute gekocht. Dann gab es noch das „Lager Erholung und Arbeit“. Das war auch für Jugendliche – die haben, ich glaube, vier oder fünf Stunden gearbeitet und den Rest des Tages Freizeit gehabt und ein bisschen Programm. Man ist mit denen auch mal nach Berlin gefahren oder so. Die Neunt- und Zehntklässler waren dann auch im Winter eine Woche im Schloss.
    Zuerst hatten wir Liegen mit Holzgestell und nur so ein Zeltbahntuch darüber, später hatten wir dann schon richtige Betten. Es gab keine Duschen – alle haben sich am Waschbecken gewaschen und sind auch groß geworden.« Karin Zimmermann

  • Flüchtlinge

    »Die Grenzziehung von 1946 führte dazu, dass nahezu jeder zweite Bewohner ein Vertriebener, wie wir es heute bezeichnen, aus den Ostgebieten war. In manchen Gemeinden kamen auf 200 Einwohner ebenso viele Flüchtlinge – wie man sie damals nannte.«
    Siegfried Göbel

    Schloss Rothenklempenow – 71 Flüchtlingsfamilien waren hier nach Kriegsende untergebracht.

     

    Hermine Zuber – Ankunft in Rothenklempenow

    »Meine Eltern waren Sudetendeutsche. Wir sind 1947 hierhergekommen. Hier im Holzwerk war eine Aufnahmestelle für Flüchtlinge, da war auch eine Krankenstation. Der Arzt hat gesagt: ›Wenn Sie bis Berlin mit Ihrer Tochter weiter wollen – das überlebt sie nicht.‹
    Er hat dann dafür gesorgt, dass ich ins Krankenhaus nach Radewitz kam. Da war ich ein dreiviertel Jahr, und als ich wieder hergestellt war, wurde ich schon acht Jahre alt – da bin ich erst zur Schule gekommen. Ich bin ja bis ich 16 war zur Schule gegangen.
    Meine Mutti war schon ein halbes Jahr eher hier. Erst haben wir mit einer Familie zusammen gewohnt, dann oben im Schloss – in so einer Kammer. Da hat im Winter der Schnee auf uns heruntergeregnet. Wir haben uns mit Mänteln zugedeckt, und wir hatten nur so einen kleinen gemauerten Herd. Wir sind mit einer Tasche gekommen – uns ist das gar nicht gut gegangen.
    Später hat meine Mutter bei den Bauern gearbeitet. Hier im Schloss waren damals 32 Familien. Wir haben uns von Kartoffeln und Rüben ernährt. Drei, vier Jahre war das so – länger nicht, aber es war auch Zeit, dass wir da rauskamen.
    Dann sind wir in ein Haus gezogen. Die Wohnung war nicht schön, und dann haben wir getauscht. Es waren mehrere Stationen, wo meine Mutti und ich gewohnt haben.
    Die Flüchtlinge kamen von überall her. Viele aus dem heutigen Polen, die sind über die Oder gekommen. Ach, das waren so viele! Viele sind dann auch wieder weggezogen, wenn die Männer Arbeit gefunden hatten. Also, die sind nicht alle hiergeblieben.
    Meine Mutter ist zu den Bauern aufs Feld arbeiten gegangen – für drei Mark am Tag und ein Mittagessen. Und ich, so ein kleines Mädchen, war den ganzen Tag allein. Damals gab es schon den DFD [den Demokratischen Frauenbund Deutschlands], also die Frauenorganisation. Die haben dann beschlossen, ich sollte jeden Tag bei jemand anderem zum Mittagessen gehen.
    Na, das habe ich nicht gemacht – ich war nicht überall willkommen. Und da habe ich gedacht: ›Nee, da gehst du nicht mehr hin.‹ Und bin auch nicht mehr gegangen.
    Meine Mutter hatte neun Geschwister. Das Deutsche Rote Kreuz hat damals Suchmeldungen durchgegeben – der sucht die oder der sucht den. Da hat meine Mutti hingeschrieben, und dadurch haben wir unsere ganze Verwandtschaft wiedergefunden. Die haben uns dann später sehr unterstützt – mit Mehl, mit Zucker. Jedenfalls haben wir Pakete bekommen, und da ging es uns nachher schon besser. Die waren alle im Westen.
    Ja, wir hatten öfter zum Monatsende wirklich kein Geld, um uns ein Brot kaufen zu können. Und der Bäcker hat uns kein Brot gegeben ohne Bezahlung.
    Die erste Zeit nach der Schule habe ich im Holzwerk gearbeitet. Ich hatte nicht gleich einen Beruf. Wir waren nicht gut bemittelt, meine Mutter und ich mussten uns wirklich durchschlagen. Wir konnten uns kein Fahrrad kaufen – und dadurch konnte ich auch keine Lehre weiter weg annehmen. Wie sollte ich da hinkommen?«
    Hermine Zuber

    »Als der Krieg zu Ende war, kamen sehr, sehr viele Flüchtlinge. Und da war das Höchste – 27 Flüchtlinge, die bei uns im Haus gewohnt haben. Das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen.
    Die haben auch alle etwas zu essen gekriegt, bis sich das dann später normalisiert hatte. Viele sind ja dann Richtung Westen weitergezogen. Und dann gab es ja später diese Siedlungshäuser, wo jeder Bauland und Ackerland gekriegt hat. Dann hat sich das so ein bisschen gelockert.
    Mein Vater sagte immer: ›Wir hatten ja auch nichts, weil die Russen alles mitgenommen oder kaputt gemacht haben. Aber wir hatten immer ein Dach über dem Kopf und haben auch irgendwo Holz gefunden, damit wir eine warme Stube hatten.‹
    Die Flüchtlinge hatten ja nun erstmal gar nichts. Sie haben dann immer bei meinen Eltern in der Landwirtschaft mitgeholfen und haben eigentlich immer gesagt: ›Wir hatten es gut – wir wurden auch gut bezahlt.‹«
    Heike Fischer

     

  • Frauensonderstudium

    Das 1967 eingeführte Frauensonderstudium sollte auch berufstätigen Frauen und Müttern mit einem Direkt- oder Abendstudium an Fachschulen die Weiterbildung ermöglichen.

    Studentenausflug – Bushaltestelle Neu-Grambow.

    »Man musste verheiratet sein, Familie oder Kinder haben und aus dieser Region kommen – Delegierung über den Betrieb.
    Wir haben weiterhin volles Geld bekommen.
    Wir haben zwei Tage in der Woche bezahlt freibekommen: einen Tag für die Landwirtschaftsschule Löcknitz und einen Tag zum Lernen und für Hausaufgaben.
    Unterm Strich dauerte es ungefähr fünf Jahre.
    Es waren harte Zeiten, aber es waren auch schöne Zeiten.
    Mein Leitfaden war: Aufgeben ist das Schlimmste, was es gibt – das habe ich da gelernt.
    Mach mal ein Fernstudium, hab Kinder – da sind zwischendurch auch ganz viele Kinder geboren.
    Viele haben auch das Handtuch geschmissen.
    Wir haben gesagt: Wir haben jetzt drei Jahre durchgehalten, dann halten wir das vierte und fünfte auch noch durch.«
    Heidi Hamann

    Auszug Studienbuch Frauensonderstudium
  • Friseurstube

    »Wir hatten in Borken eine Friseurstube, und alle 14 Tage haben wir von der PGH Friseure zwei Friseurinnen nach Borken geholt.
    Die Damenwelt konnte dann um halb zehn oder halb elf morgens, nachdem sie ihre Kinder versorgt hatte, zum Dorffriseur gehen.
    Sie mussten sich nicht aufs Fahrrad schwingen und nach Pasewalk fahren.
    Die größte Freude war immer, wenn Betriebsfeste oder Abteilungsfeste anstanden – dann mussten die Friseure auch noch mal vorher am Festtag kommen, damit man als Frau eine anständige Frisur hatte.
    Die Fahrten und die Stube unterhalten, das Lichtgeld, den Strom für die Erwärmung der Haare und alles – das hat das VEG bezahlt.« Siegfried Göbel

  • Friseurstunde

    »Wir Frauen konnten in Grünhof – das war in der Betriebsordnung vereinbart – jeden Monat zwei Friseurstunden nehmen. Wir haben in der Jungrinderaufzuchtanlage Grünhof ganz streng nach dem Schwarz-/ Weiß-Prinzip gearbeitet, mit Duschen, Schleuse und, und, und. Da die Frauen praktisch morgens und mittags bzw. abends durch die Dusche mussten, wurden die Haare ganz schön strapaziert. Die Betriebsleitung hat dann gesagt, dass sie Friseurstunden für die Frauen einführt. Das ist heute alles unvorstellbar.
    Aber zwei Stunden haben nicht gereicht, um von Grünhof nach Löcknitz zum Friseur zu fahren. Es gab die Möglichkeit, alle acht Wochen vier Stunden – also einen halben Tag – zusammenzulegen: mittags mit dem Bus nach Löcknitz und abends wieder zurück.«
    Heidi Hamann