A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S U V W Z
La Lp

Landfilm

»Einmal in der Woche Kino – das war ein Höhepunkt. Aber als Kinder waren wir damals sauer. Denn die Apparate wurden nicht da gelassen, sondern wurden immer gebracht und wieder mitgenommen – die zogen von einem Ort zum anderen.« Herbert Zimmermann

»Das hat die Abteilung Kultur des Rates des Kreises organisiert. Und das war genau vorgeschrieben – ich glaube, 50 Prozent der Filme mussten sowjetischer Produktion sein. Also, in den 60er Jahren wurden dann immer die Heldenfilme gezeigt. Und dann gab es die DEFA-Wochenschau, da wurde vorneweg das Tages- oder Wochengeschehen in der DDR eingeblendet. Das war obligatorisch, eine zusätzliche Information, damit wir auch ein Bild von den großen Taten in Berlin bekamen, zum Beispiel, wie sie in Berlin die Stalinallee gebaut haben.« Siegfried Göbel

»Wir sind Mähdrescher gefahren, drei Frauen, und wenn wir fertig waren, tranken wir immer ein kleines Schnäppschen. Dann waren wir so schön lustig und sind ins Kino rein, haben uns hinten hin gesetzt – das war ja voll – und als der Film losging, haben wir da hinten nur gelacht. Dann sind wir rausgegangen.« Annelore Schönstedt

Hörgeschichte: Heike Fischer erzählt von einem abenteuerlichen Kinoabend in Rothenklempenow

»Wir wurden ein bisschen strenger erzogen als die anderen. Das hat uns natürlich auch ein bisschen geärgert. Als ich 16 war und meine Schwester – die ist ja dreieinhalb Jahre älter – schon in der Abiturklasse war, da standen unten mal irgendwelche Jungs bei uns im Garten:
›Ja, wollt ihr nicht mitkommen ins Kino? Das ist heute so ein schöner Film.‹
›Nee, wir trauen uns nicht.‹
›Ach, ihr dürft auch gar nichts! Kommt ihr nicht irgendwie raus? Wir haben hier schon die Leiter ans Verandadach gestellt.‹
Na, wir – rucki zucki – die Bettlaken genommen, zusammengeknüpft ums Fensterkreuz, erst aufs Verandadach, dann die Leiter runter und zum Kino. Wir haben uns gefreut wie sonst was. Mein Gefühl sagte mir schon: wir gehen gleich nach Hause. Aber die Jungs dann so: ›Ach, wollen wir nicht noch irgendwo ein Bier trinken?‹
Ich weiß gar nicht, woher die überhaupt kamen. Bestimmt vom Internat, aus Pasewalk. Meine Schwester kannte die bestimmt von da, weil sie damals dort im Internat war. Naja, jedenfalls mussten wir die Leiter wieder hoch – dann mühselig am Bettlaken, immer die Angst, dass es reißt – und durchs Fenster wieder rein. Dann sitzt mein Vater am Tisch und sagt nur: ›Oh oh, zwei Mädchen zu hüten, ist ja schlimmer als ein Sack Flöhe.‹ Wir sind nie wieder da lang gegangen. Wir waren geheilt.
Das Kino war in der Gaststätte. Ich meine, das war ›Ein heißer Sommer‹ mit Frank Schöbel. Das war so 1968, da ist der Film rausgekommen. Wir haben erstmal schnell unser Taschengeld zusammengesammelt – 80 Pfennig hat das ja nur gekostet – und sind da hingegangen.
Das sind so die Sachen, da erinnert man sich jetzt und denkt: eigentlich war das doch eine ganz coole Zeit.« Heike Fischer