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Kinderkrippe

»Die Krippe gehörte zum Gesundheitswesen, und der Kindergarten und die Schule zur Volksbildung.
Wir sind ja auch in Krankenschwesternkitteln gegangen – wir sind noch steril gegangen.
Wir waren zwar alle Gemeindeangestellte, aber der Oberbegriff war Gesundheitswesen.« Gabi Wels

»Die Betreuung war in der Beziehung wirklich gut. Frauen wurden regelmäßig untersucht, und die DDR hat ja reichlich Kinder gehabt.
Die Sachen für die Kinder waren preisgünstig. Es gab Krippenplätze, es gab Kindergärten und Schulbetreuung.
Also, die DDR hat für die Kinder viel getan. Deswegen war es ganz normal, drei, vier Kinder oder so zu haben, weil man das ja finanzieren konnte.
[Mein Sohn] ging schon in Wolgast in die Krippe. Das war günstig, weil es eine Krankenhauskrippe war, die drei Schichten machte.
Da konnte man also jede Schicht das Kind hinbringen. Wenn man Nachtschicht hatte, durfte das Kind dort schlafen.
Aber wirklich nur für acht Stunden – da haben sie drauf geachtet. Das war sehr gut.«
Karin Fischer

»Manche Kinder hatten wir vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Ja, das gab es auch.
Wir hatten nicht das Recht zu sagen, das Kind müsste auch mal Urlaub haben.« Gabi Wels

»Als Jens zweieinhalb war, war die Krippe fertig. Dann ist er noch ein halbes Jahr in die Krippe gegangen, und das war eine Tortur – für mich und auch für das Kind.
Wir haben beide geheult, wenn wir das Krippenauto gesehen haben.
Mein Kind war das so gewohnt: Zwei Jahre lang ist er ja bei allem immer mitgegangen, immer bei mir.« Annelore Schönstedt

»Wir hatten einen B1000 [DDR-Transporter], der früher ein Krankenwagen von der Armee gewesen war und entkernt wurde.
Da waren kleine Boxen drin, in denen die Kinder sitzen konnten, und vier Liegestellen wie kleine Bettchen – da konnten auch welche liegen.
An der Seite hatten wir eine Bank, auf der wir saßen. Da war nichts mit Anschnallen.
Morgens kam das Auto an. Einer von uns ist reingegangen, hat die Kinder entgegengenommen und hingesetzt.
Die musste man auch schon ein bisschen sortieren, weil manche sich ja gleich gezankt haben.
Dieses Auto wurde durch den Gemeindeverband gestellt.
Die Gemeinden hatten eine Kommission, die dann auch entschieden hat, wer einen Krippenplatz bekommt und wer nicht.
Vorrang hatten Kinder aus den Dörfern, deren Eltern in der LPG oder bei der Gemeinde gearbeitet haben.
Wir hatten hier in Rothenklempenow 16 Kinder, aufgeteilt in drei Gruppen.
Es kam auch mal vor, dass jemand krank war – dann hat auch mal die Hauswirtschaftskraft mitgeholfen und mit am Tisch gesessen. Aber die Kinder wurden schnell selbstständiger.
Das war nicht erzwungen, aber diese Gemeinschaft fördert auch. Kinder schauen sich von anderen Kindern etwas ab.
Also ich möchte sagen, auf dem Dorf sind die Kinder behüteter aufgewachsen, weil man die Eltern kannte. In der Ausbildung musste ich mal 14 Tage in Pasewalk in der Krippe arbeiten. Das war so unpersönlich, man kannte die Eltern nicht und man wusste gar nicht, warum das Kind dann gerade so reagierte.« Gabi Wels