
»Wir haben 1979 geheiratet und unten in der Brennerei gewohnt. Unsere Schlafstube haben wir aus Einzelteilen aufgebaut. Unsere Anbaureihe kam damals aus dem Betriebsabverkauf in Templin. Wir hatten die Anbaureihe „Uckermark“, der Typ hieß Uckermark. Davon stehen heute noch Teile bei uns. Unsere Küche hieß Güstrow, und unsere Schlafstube hatte, glaube ich, einen Namen aus Sachsen.« Gabi Wels
»Zur Möbelbeschaffung kann man heute überhaupt keinen Vergleich mehr finden.
Die landwirtschaftlichen Kader wurden in der DDR ab 1963/64 zur Agra geschickt. Die Agra war eine Landwirtschaftsausstellung, die fand in Leipzig-Markkleeberg statt, und da wurden die Kader für eine Woche hingeschickt.
Das war alles organisiert. Man fuhr mit dem Zug von Pasewalk bis Leipzig, bekam dort einen Quartierschein, und dann traf man irgendwo im Großstadtgewirr von Leipzig jemanden und kriegte ein Bett und eine Waschschüssel mit Kanne, so wurde übernachtet.
Ich war mit meinem Freund da, und nach zwei Tagen kamen wir mit der Wirtin ins Gespräch. Da sagte sie:
›Haben Sie gehört, heute gibt es am Kaufhaus am Bahnhof Wohnanbauschränke.‹
Also sind wir abends beide hingefahren, und dann hieß es:
›Bitte erstmal den Personalausweis. Pasewalk? Nee, die bekommen nur Leipziger Bürger. Pasewalker Bürger dürfen keine Anbaureihe kaufen.‹
Das war die Anbaureihe Leipzig, Typ 3 – das waren drei Teile: unten Schubfächer, dann ein Mittelteil und oben noch ein Aufsatz.
Und weil uns unsere Wirtin darauf aufmerksam gemacht hatte, haben wir jeder eine Schachtel Pralinen ganz zugedeckt rübergeschoben – und dann hat sie gesagt:
›Na ja, dann schreibe ich mal einen anderen Namen hier hin.‹
Und so haben wir jeder eine Anbaureihe, also drei Teile, gekauft.
Beim Kauf hieß es dann, die Möbel seien im Messegelände eingelagert und müssten innerhalb der nächsten vier Wochen abgeholt werden, weil die Halle zur Messe wieder frei sein müsse.
Dann sind wir nach Hause gefahren, ich habe mit dem LPG-Vorsitzenden gesprochen, und dann haben wir einen LKW startklar gemacht und sind nach Leipzig gefahren.
Dort haben wir die Anbaureihe aufgeladen und sind nach Pasewalk gefahren, haben sie aufgestellt, uns gefreut, und dann haben alle Nachbarn gesagt: ›Wo habt ihr die her?‹
Da kam schon ein gewisser Neid auf, weil es in Pasewalk solche Möbel nicht gab.
So ähnlich ist es uns mit der Küche gegangen. Mein Bruder war nach dem Studium in Dresden gelandet, und da sind wir Mitte der 60er Jahre nach Dresden gefahren. Dort stellten wir fest, es gibt eine Anbauküche Hellerau.
Und da ging das wieder los: ›Nur für Dresdner Bürger oder Umgebung.‹
Also hat mein Bruder uns seinen Ausweis gegeben, er war ja Dresdner Bürger, und dann hat er sie gekauft. Dann haben wir die Küche wieder mit dem LKW direkt aus dem Werk in Hellerau nach Pasewalk gefahren – und bei uns eingebaut.« Siegfried Göbel
»Ich war ja von 1971 bis 75 zum Studium in Berlin. Und da hieß es dann: ›Wo geht’s hin?‹ – Nach Mewegen zur Schule. OK, dann ziehen wir nach Rothenklempenow.
Herbert war ja schon zwei Jahre vorher hier, und wir haben da unten an der Kaiserscheune gewohnt. Ja, und nun? Möbel? Von den Eltern war nichts zu erwarten.
Aber ich hatte Glück, dass ich in den vier Jahren auch in Berlin gemeldet war, und dadurch habe ich eine Anbaureihe bekommen – eine Vivena, dunkel gehalten und vorne blank poliert.
Also bin ich dann letztendlich, nachdem ich mein Zeugnis in der Hand hatte, mit der Vivena nach Rothenklempenow gezogen.
1975 war das noch so – lange nach dem Krieg, aber anders ging es nicht.« Karin Zimmermann