»In jedem Dorf gab es einen Abschnitts-bevollmächtigten. Das war der Dorfpolizist.« Siegfried Göbel
»Der ABV war auf jeden Fall eine Respektsperson. Der ist abends um zehn, wenn Tanz war, auf die Bühne gegangen und hat gesagt:
›Innerhalb von zehn Minuten verlassen alle unter 16 den Raum.‹
Und dann sind wir auch alle nach Hause gegangen.« Heike Fischer
»Vor allem hat er dich gekannt – du konntest ja nicht schummeln.« Annelore Schönstedt
»Ich sollte auch in die Kampfgruppen gehen. Aber ich bin kein Kämpfer und kein Soldat. Da habe ich mich schnell an unseren Abschnittsbevollmächtigten, unseren Polizisten, gewandt. Und der hat mich dann unter seine Fittiche genommen – als Polizeihelfer. Und das war ruhig.« Joachim Martin, Revierförster und Polizeihelfer
Hermine Zuber und Heike Fischer erinnern sich an den ABV.
Sie dienten als zwischenbetriebliche Einrichtungen von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), volkseigenen Gütern (VEG) und kooperativen Abteilungen der Pflanzenproduktion (KAP). Zur Durchsetzung industrieller Methoden in der Pflanzenproduktion hatten sie die Aufgabe, den Transport, Umschlag und die Lagerung, auch TUL Prozess genannt, von Mineraldüngemitteln, Flüssigdüngemitteln sowie die Zwischenlagerung von Pflanzenschutzmitteln zu übernehmen. Darüber hinaus waren sie für die Organisation des Einsatzes von Agrarflugzeugen in Kooperation zwischen mehreren ACZ verantwortlich. Hauptbestandteile eines solchen Zentrums waren:
– Minerallager: 1200-1300 m² Lagerfläche
– Lagerbehälter für Flüssigdünger: 1200-1800 m² Grundfläche
– Lager für giftige Pflanzenschutzmittel: 800-900 m²
– Flugplatz
– Wasch und Pflegestützpunkt zur Wartung und Pflege von Fahrzeugen
– Garagen
– Unterstellflächen
– Sozial- und Verwaltungstrakt.
Große Aufmerksamkeit wurde bei der Erschließung des ACZ dem Gleisanschluss und einer Straßenanbindung geschenkt, damit ein reibungsloser Fahrverkehr und ein koordinierter Nachschub des Düngers gewährleistet werden konnte.
»Wir haben 1979 geheiratet und unten in der Brennerei gewohnt. Unsere Schlafstube haben wir aus Einzelteilen aufgebaut. Unsere Anbaureihe kam damals aus dem Betriebsabverkauf in Templin. Wir hatten die Anbaureihe „Uckermark“, der Typ hieß Uckermark. Davon stehen heute noch Teile bei uns. Unsere Küche hieß Güstrow, und unsere Schlafstube hatte, glaube ich, einen Namen aus Sachsen.« Gabi Wels
Ab 1976 durften Mütter mit mehr als einem Kind das bezahlte Babyjahr nehmen. Ab 1986 hatten auch Mütter mit nur einem Kind Anspruch auf ein bezahltes Babyjahr. Damit wurde die bezahlte Elternzeit von fünf auf zwölf Monate verlängert.
»1976 bin ich dann schwanger mit dem Zweiten gewesen. Kurz vorher bin ich noch gefallen, und dann konnte ich nicht mehr. Ich bin krankgeschrieben gewesen, und Lutz wurde dann im April geboren.
Dann kam das Babyjahr – da hast du ja deine Zeit gehabt. Da bin ich dann ein Jahr zu Hause geblieben.« Annelore Schönstedt
»1976 wurde die LPG vom 1. Bezirkssekretär kritisiert, dass keine Eigenheime errichtet werden denn das Wohnungsbauprogramm der DDR sollte schnell realisiert werden.«
Hans Rengert, Die Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion, Löcknitz 2007.
»Viele junge Menschen sind hier im Dorf geblieben. Da stellte sich natürlich die Frage: Die brauchen ja auch Wohnraum. Und dann kam wieder die Pyramide. Von oben, aus Berlin, wurde angewiesen: Wohnungsbau auf dem Lande.
Dann hieß es bei uns in der Genossenschaft: ›Was denn? Wir haben keine Baubrigade, wir haben nichts – aber wir sollen diese Eigenheime bauen.‹ Also wurde eine Baubrigade ins Leben gerufen und angefangen, Häuser zu bauen. Maurer wurden von der ZBO abgeworben. Die Baubrigade bestand aus fünf Maurern und Handlangerkräften und so weiter – ohne Toppen, ohne Wischer – aber es ging vorwärts. Wir haben nicht aufgegeben.
Dann wurden hier die Wohnungen hochgezogen. Mit Hilfe der Genossenschaft wurde der Rohbau hingesetzt, und dann hat jeder in Eigeninitiative seinen Ausbau selbst organisiert – über Handwerker aus dem Ort oder wie auch immer. Jedenfalls: Es ging alles.«
Herbert Zimmermann
Das Betriebsgesundheitswesen stellte die zweite Säule der ambulanten gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung dar. Zu ihm gehörten ebenfalls Polikliniken und Ambulatorien sowie Sanitätsstellen, Gesundheitsstuben, Frauenruheräume, Nachtsanatorien und Kinderkrippen. »In der ›Verordnung zum Schutze der Arbeitskraft‹ vom 25. Oktober 1951 wurde die ›Pflicht‹ der Betriebsleitung, die ›Arbeitsbedingungen so zu gestalten, daß für die Sicherung und Erhaltung der Arbeitskraft der Werktätigen ständig Sorge getragen ist‹ und die ›volle Verantwortung dafür, daß die Arbeiter und Angestellten […] vor Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind‹, explizit festgehalten.«
Schagen, Udo & Schleiermacher, Sabine. (2004). Gesundheitswesen und Sicherung bei Krankheit: DDR 1949-1961.
»Die Großbäckerei in Pasewalk, abgekürzt immer bloß Gropa, und Borken (Volkseigenes Gut Borken) – wir hatten zusammen eine Betriebsärztin.
Die haben wir nicht bezahlt, die hat der Staat bezahlt.
Damit die Betriebsärztin nach Borken kam, haben wir sie jeden Montag abgeholt und abends wieder nach Hause gefahren. Das hat der Betrieb bezahlt.
Wir hatten ein Wartezimmer, ein Schwesternzimmer, einen Raum für die Ärztin und eine Apotheke. Die Ärztin wurde wieder zurückgefahren und der Fahrer fuhr zur Krankenhausapotheke mit den Rezepten, die die Ärztin ausgestellt hatte, und brachte die Medikamente abends um 20 oder um 21 Uhr in die Wohnungen.
Wir hatten überall Brigaden der sozialistischen Arbeit.
Also, die Kälberpfleger zum Beispiel mussten sich ein Programm aufstellen – da musste alles drinstehen.
Und dann stand unter anderem drin: ›Wir gehen alle geschlossen zur Grippeschutzimpfung.‹
Die Gemeindeschwester – bei uns war es im Prinzip eine Betriebsschwester – sagte: ›Die war noch nicht da, Frau Doktor, und die war noch nicht da.‹
Auf einmal klingelte bei mir das Telefon: ›Genosse Direktor oder Herr Direktor, da waren noch so und so viele nicht zur Grippeschutzimpfung. Ich höre aber jetzt um 17 Uhr auf. Was machen wir denn nun?‹
Und dann sagte sie: ›Nächste Woche komme ich nochmal, wenn Sie mich holen. Dann müssen die aber alle erscheinen.‹
Also, da war schon ein gewisser Druck dahinter.« Siegfried Göbel
Die Räte der Bezirke (RLN – Rat für landwirtschaftliche Produktion und Nahrungsgüterwirtschaft [B]) und der Kreise (RLN [K]) hatten sowohl beratende als auch über ihre Produktionsleitungen administrative Aufgaben wahrzunehmen.
»1965 wurde ich zur Produktionsleitung geholt. Da habe ich erst begriffen, dass die Landwirtschaft durch eine extra Leitung auf Kreisebene geleitet wurde. 1966/67 haben wir dann ein Programm entwickelt, das durch die Produktionsleitung und sogar durch die Bezirksproduktionsleitung gebilligt wurde – mit dem Ziel, hier die Rinderaufzucht zu konzentrieren. Das musste volkswirtschaftsplanmäßig alles exakt ausbalanciert werden. Ab 1968/69 fand in Borken-Koblenz dann nur noch Jungrinderaufzucht statt – weibliche Jungrinder, also vom Kalb bis zur tragenden Färse.« Siegfried Göbel
»Jedes Dorf im ehemaligen Kreis Pasewalk, das habe ich so verinnerlicht, hat eine andere Entwicklung, je nachdem, ob es ein Bauerndorf war, ein Dorf, das in den 1930er Jahren aufgesiedelt wurde, so wie Rothenklempenow und Ramin, und dann die Gutsdörfer, wo 1945/46 die Bodenreform kam und die Neubauern entstanden.
Nach 1953 begann dann für die ländliche Bevölkerung eigentlich die ganz große Umwälzung hin zu dieser heute so eingestuften Zwangskollektivierung.«
»Eine Brigade ist so etwas wie ein Team. Es gab eine Abteilung, und darin mehrere Brigaden. Die Buchhaltung zum Beispiel – wir waren eine Brigade.« Heidi Hamann
»In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg waren Düngemittel rar. Es oblag der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) die Neubauern und Wirtschaftenden bei der Beschaffung von Düngemitteln zu unterstützen. In der DDR wurde der Einsatz von chemischen Mitteln in der Landwirtschaft stark gefördert. 50 % des staatlich geplanten Ertragszuwachses sollten durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und anorganischen Düngern erzielt werden.«
Chemisierung war neben Mechanisierung, Melioration, technischer Trocknung und Züchtung einer der wichtigen Intensivierungsfaktoren mit denen die Industriemäßigen Produktion vorangetrieben wurde.
»Zwischen 1960 und 1970 stieg der Stickstoffeinsatz in der DDR von 38 kg/ha auf 78,7 kg/ha (Statistisches Amt der DDR 1955-1990). So war der Düngemitteleinsatz in den 1970er Jahren in der DDR wesentlich höher als in der BRD. Auch der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft der DDR im Bereich Chemie stieg von ca. 1 % im Jahr 1965 auf 4,5 % im Jahr 1982. Ab den 1970er Jahren gehörten Düngung und Pflanzenschutz zu den Aufgabenbereichen der sogenannten Agrochemischen Zentren (ACZ), die als zwischenbetriebliche Einrichtungen für das Gebiet mehrerer Betriebe zuständig waren.«
»Neue Technik in Kombination mit neuen chemischen Hilfsmitteln wie Mineraldünger und Pflanzenschutzmitteln veränderte die bisherigen Systeme des Ackerbaus und der Grünlandwirtschaft grundlegend. Die günstigen und staatlich subventionierten Düngemittel ersetzten den Anbau von Leguminosen zur Bodenverbesserung. Fruchtfolgesysteme wurden aufgelöst und daraus resultierende ackerbauliche Probleme mit dem Einsatz chemischer Mittel bekämpft.«